Zahlt eine Versicherung für eine Brille, die schon gekauft ist?
Grundsätzlich nein. Eine Krankenzusatzversicherung leistet nicht für Versicherungsfälle, die vor Beginn des Versicherungsschutzes eingetreten sind. Eine Brille, die vor dem Versicherungsbeginn gekauft wurde, ist deshalb nicht erstattungsfähig. Der Beginn kann im Tarif VorsorgePRIVAT aber im laufenden Monat liegen.
Den Grundsatz enthalten die Musterbedingungen der privaten Krankenversicherung (MB/KK § 2 Abs. 1): „Für Versicherungsfälle, die vor Beginn des Versicherungsschutzes eingetreten sind, wird nicht geleistet.“ Dieselbe Regel steht in den Allgemeinen Versicherungsbedingungen des Tarifs (AVB/VT § 2 Abs. 1). Welches Datum bei Sehhilfen genau zählt, regeln die Tarifbedingungen des jeweiligen Vertrags.
Die Ausnahme beim Tarif VorsorgePRIVAT der UKV, den wir vermitteln: Bei Antrag bis zum 14. eines Monats beginnt der Schutz rückwirkend zum 1. dieses Monats. Brillenrechnungen ab diesem Tag sind erstattungsfähig, ohne Wartezeit. Wer Anfang des Monats gekauft hat, kann die Brille also unter Umständen noch absichern.
Der Kalender entscheidet: Ist meine Brille noch gedeckt?
Entscheidend sind zwei Daten: das Rechnungsdatum der Brille und der Tag des Antrags. Liegt der Kauf im selben Monat und stellen Sie den Antrag bis zum 14., beginnt der Schutz am 1. dieses Monats und die Rechnung ist erstattungsfähig. Ab dem 15. beginnt der Schutz erst am 1. des Folgemonats.
| Kauf der Brille | Antrag gestellt | Versicherungsbeginn | Brille erstattungsfähig? |
|---|---|---|---|
| 03.10.2026 | 13.10.2026 | 01.10.2026 | Ja, Kauf liegt nach dem Beginn |
| 03.10.2026 | 14.10.2026 | 01.10.2026 | Ja, der 14. ist der letzte Tag |
| 03.10.2026 | 16.10.2026 | 01.11.2026 | Nein, Kauf liegt vor dem Beginn |
| 28.09.2026 | 05.10.2026 | 01.10.2026 | Nein, Kauf liegt vor dem Beginn |
| 02.12.2026 | 10.12.2026 | 01.12.2026 | Ja, Kauf liegt nach dem Beginn |
Maßgeblich ist der Versicherungsbeginn, der im Versicherungsschein steht. Prüfen Sie ihn nach Erhalt und bewahren Sie die Brillenrechnung mit Datum auf, denn die Erstattung läuft über die Rechnung. Ein ärztliches Rezept brauchen Sie für die Sehhilfen-Erstattung im Tarif nicht (Tarifbedingungen Ziff. II.3).
Wann haben Sie die Brille gekauft?
Rechnungsdatum eingeben. Antragstag ist heute.
Ohne JavaScript gilt die Tabelle oben: Beginn ist der 1. des Monats bei Antrag bis zum 14., sonst der 1. des Folgemonats.
Der Rechner ersetzt nicht den Versicherungsschein, er wendet nur die Beginnregel auf das heutige Datum an. Erstattet werden 80 Prozent bis zu einem Rechnungsbetrag von 500 €, also höchstens 400 € in zwei Kalenderjahren.
Krankenkasse: nur wer Anspruch hat, und nur vorher
Die gesetzliche Krankenkasse zahlt Brillen nur für Kinder und Jugendliche unter 18 und für Erwachsene mit sehr starker Fehlsichtigkeit. Auch dann gibt es die Brille als Sachleistung über einen Vertragsoptiker. Wer sie ohne Verordnung privat gekauft hat, hat danach praktisch keinen gesetzlichen Erstattungsweg.
Versicherte erhalten Leistungen als Sach- und Dienstleistungen (§ 2 Abs. 2 SGB V). Geld statt Sachleistung darf die Kasse nach § 13 Abs. 1 SGB V nur erstatten, wo das Gesetz es vorsieht. Die Wahl der Kostenerstattung (§ 13 Abs. 2) muss vor der Leistung erklärt werden. § 13 Abs. 3 hilft nur, wenn die Kasse eine unaufschiebbare Leistung nicht rechtzeitig erbracht oder zu Unrecht abgelehnt hat. Ein Kauf ohne vorherigen Antrag fällt in aller Regel unter keinen der Fälle.
Wer überhaupt Anspruch hat
- Unter 18 Jahren: Anspruch auf Brillengläser (§ 33 Abs. 2 SGB V). Ab 14 Jahren gibt es neue Gläser nur bei einer Änderung von mindestens 0,5 Dioptrien (§ 33 Abs. 4).
- Ab 18 Jahren nur bei schwerer Sehbeeinträchtigung mindestens der Stufe 1, nach der Hilfsmittel-Richtlinie ein Visus von höchstens 0,3 auf dem besseren Auge mit bestmöglicher Korrektur, oder bei mindestens 6,25 Dioptrien Kurz- oder Weitsichtigkeit bzw. mindestens 4,25 Dioptrien Hornhautverkrümmung (HilfsM-RL § 12 Abs. 1).
- Therapeutische Sehhilfen bei Augenverletzungen oder Augenerkrankungen.
- Nie enthalten: das Gestell. Der Anspruch umfasst „nicht die Kosten des Brillengestells“ (§ 33 Abs. 2 SGB V).
Die erste Versorgung setzt eine Verordnung vom Augenarzt voraus (HilfsM-RL § 12 Abs. 3). Sie verfällt nach 28 Kalendertagen ohne Versorgung (§ 8 Abs. 2). Bei einer Folgeversorgung reicht in der Regel die neue Glasstärkenbestimmung beim Optiker (§ 33 Abs. 5a SGB V). Abgerechnet wird über Vertragsoptiker.
Mehr dazu im Ratgeber zum Brillenzuschuss der Krankenkasse und, für Eltern, im Ratgeber zur Kinderbrille bei der Kasse.
Steuer: der Weg, der auch rückwirkend geht
Eine medizinisch notwendige Brille zählt als außergewöhnliche Belastung nach § 33 EStG. Abziehbar ist nur der Teil, der Ihre zumutbare Belastung übersteigt. Wer nicht zur Abgabe einer Steuererklärung verpflichtet ist, kann am 13.10.2026 noch die Jahre 2022 bis 2025 nachholen.
Die zumutbare Belastung richtet sich nach dem Gesamtbetrag der Einkünfte, dem Familienstand und der Zahl der Kinder (§ 33 Abs. 3 EStG):
| Fallgruppe | bis 15.340 € | bis 51.130 € | darüber |
|---|---|---|---|
| ohne Kinder, Grundtarif | 5 % | 6 % | 7 % |
| ohne Kinder, Splittingtarif | 4 % | 5 % | 6 % |
| 1 oder 2 Kinder | 2 % | 3 % | 4 % |
| 3 oder mehr Kinder | 1 % | 1 % | 2 % |
Die Sätze gelten stufenweise: Nur der Teil der Einkünfte, der eine Stufe übersteigt, wird mit dem höheren Satz gerechnet (BFH, VI R 75/14, wiedergegeben in H 33.1 bis 33.4 EStH). Rechenbeispiel: Ledig, ohne Kinder, Gesamtbetrag der Einkünfte 40.000 €. Zumutbar sind 5 % von 15.340 € (767,00 €) plus 6 % von 24.660 € (1.479,60 €), zusammen 2.246,60 €. Erst Krankheitskosten darüber wirken sich aus. Eine Brille allein reicht dafür oft nicht, zusammen mit anderen Krankheitskosten desselben Jahres eher.
Nachweis
Die Notwendigkeit weisen Sie durch eine Verordnung eines Arztes oder Heilpraktikers nach (§ 64 Abs. 1 Nr. 1 EStDV). Für Brillen gilt eine Erleichterung: Wurde die Notwendigkeit einer Sehhilfe früher durch einen Augenarzt festgestellt, genügt in den Folgejahren die Sehschärfenbestimmung durch einen Augenoptiker (R 33.4 Abs. 1 Satz 4 EStR). Ob eine erst nach dem Kauf ausgestellte Verordnung anerkannt wird, ist offen. Besser: Verordnung oder Sehtest vor dem Kauf, Rechnung aufbewahren.
Wie weit es zurückgeht
Wer nicht zur Abgabe verpflichtet ist, kann die Veranlagung durch eine Steuererklärung beantragen (§ 46 Abs. 2 Nr. 8 EStG). Die Festsetzungsfrist beträgt vier Jahre (§ 169 Abs. 2 Nr. 2 AO) und beginnt mit Ablauf des Jahres, in dem die Steuer entstanden ist (§ 170 Abs. 1 AO, § 36 Abs. 1 EStG). Nach einer Entscheidung des Bundesfinanzhofs (VI R 53/10, wiedergegeben in der Fachliteratur) verlängert sich die Frist bei der Antragsveranlagung nicht. Am 13.10.2026 sind damit noch 2022, 2023, 2024 und 2025 möglich. Für 2022 muss die Erklärung bis zum 31.12.2026 beim Finanzamt sein, danach fällt das Jahr weg.
Ausführlich: Brille von der Steuer absetzen.
Arbeitgeber: nur für die Bildschirmbrille
Eine spezielle Bildschirmbrille muss der Arbeitgeber stellen, wenn die arbeitsmedizinische Vorsorge ergibt, dass Sie sie brauchen und die normale Brille nicht geeignet ist. Selbst gekauft ohne vorherige Vorsorge: kein sicherer Anspruch, suchen Sie das Gespräch.
Die Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge (ArbMedVV, Anhang Teil 4 Abs. 2 Nr. 1) sieht bei Bildschirmarbeit das Angebot einer „angemessenen Untersuchung der Augen und des Sehvermögens“ vor. Weiter heißt es: „Den Beschäftigten sind im erforderlichen Umfang spezielle Sehhilfen für ihre Arbeit an Bildschirmgeräten zur Verfügung zu stellen, wenn Ergebnis der Angebotsvorsorge ist, dass spezielle Sehhilfen notwendig und normale Sehhilfen nicht geeignet sind.“ Die Kosten darf der Arbeitgeber nicht auf die Beschäftigten abwälzen (§ 3 Abs. 3 ArbSchG).
Nach Berichten über das Urteil des Europäischen Gerichtshofs vom 22.12.2022 (C-392/21) muss die Bildschirmarbeit nicht die Ursache der Sehprobleme sein, und der Arbeitgeber kann die Brille stellen oder die notwendigen Kosten erstatten. Eine Alltagsbrille fällt nicht darunter.
Die Reihenfolge ist also: erst die Vorsorge beim Betriebsarzt, dann der Kauf. Haben Sie schon gekauft, fragen Sie, ob die Vorsorge nachgeholt wird und der Arbeitgeber sich beteiligt. Eine Pflicht dazu können wir nicht belegen.
Grundsicherung: nur vor dem Kauf beantragen
Wer Grundsicherung vom Jobcenter bezieht, kann für einen unabweisbaren Bedarf ein Darlehen bekommen. Diese Leistung gibt es aber nicht für Zeiten vor dem Antrag. Für eine schon bezahlte Brille ist das praktisch kein Weg mehr.
Rechtsgrundlage ist § 24 Abs. 1 SGB II: Bei einem vom Regelbedarf umfassten, unabweisbaren Bedarf erbringt das Jobcenter eine Sach- oder Geldleistung als Darlehen. Nach § 37 SGB II ist diese Leistung gesondert zu beantragen und wird nicht für Zeiten vor der Antragstellung erbracht. Ob eine Brille darunter fällt, entscheidet das Jobcenter. Die Leistung heißt inzwischen Grundsicherungsgeld (§ 19 SGB II).
Für die nächste Brille: erst versichern, dann kaufen
Steht eine neue Brille an, schließen Sie die Versicherung vor dem Kauf ab. Durch die Rechnung in Kalenderjahren kann bei einem Beginn im Herbst schon im Januar des übernächsten Jahres wieder der volle Betrag zur Verfügung stehen.
Der Tarif zählt Erstattungen aus dem laufenden und dem vorhergehenden Kalenderjahr. Ein Beispiel mit Versicherungsbeginn am 01.10.2026:
- Oktober 2026: Brille für 500 €, erstattet werden 400 €.
- 2027: Angerechnet werden 2027 und 2026. Die 400 € sind verbraucht, für Sehhilfen gibt es 2027 nichts.
- Ab 01.01.2028: Angerechnet werden nur noch 2028 und 2027. Es stehen wieder volle 400 € bereit.
Der Vertrag läuft mindestens zwei Versicherungsjahre. Das erste endet am 31.12. des Beginnjahres, gekündigt wird mit drei Monaten Frist zum Ende eines Versicherungsjahres. Heben Sie jede Rechnung auf. Ob sich der Tarif für Sie rechnet, zeigt der Ratgeber Lohnt sich eine Brillenversicherung?. Beitrag und Beginn berechnen Sie im Beitragsrechner auf der Startseite.
Wer zahlt was, wenn die Brille schon gekauft ist?
Nachträglich funktioniert verlässlich nur die Steuer, und das nur oberhalb der zumutbaren Belastung. Die eigene Brillenversicherung hilft nur, wenn der Kauf im Monat des rückwirkenden Beginns liegt.
| Weg | Geht das nachträglich? | Bedingung |
|---|---|---|
| Brillenversicherung VorsorgePRIVAT | Nur im Monat des Beginns | Antrag bis zum 14., Rechnung ab dem 1. dieses Monats |
| Andere Krankenzusatzversicherung | Grundsätzlich nein | Kauf vor Versicherungsbeginn ist nicht versichert (MB/KK § 2 Abs. 1) |
| Krankenkasse | Praktisch nein | Nur Anspruchsberechtigte, Sachleistung mit Verordnung vorher |
| Steuer | Ja, bis vier Jahre | Kosten über der zumutbaren Belastung, Nachweis nach § 64 EStDV |
| Arbeitgeber | Kein sicherer Anspruch | Nur Bildschirmbrille, nach arbeitsmedizinischer Vorsorge |
| Jobcenter | Praktisch nein | Darlehen nur ab Antrag (§ 37 SGB II) |