Auf einen Blick
Befreiung von der Zuzahlung
Eine Zuzahlung fällt nur an, wenn die Krankenkasse überhaupt eine Sehhilfe zahlt. Das tut sie nur für Kinder und Jugendliche unter 18 und für Erwachsene mit starker Fehlsichtigkeit (ab 6,25 Dioptrien Kurz- oder Weitsichtigkeit, ab 4,25 Dioptrien Hornhautverkrümmung oder schwere Sehbeeinträchtigung) sowie bei therapeutischen Sehhilfen. Die meisten Erwachsenen zahlen ihre Brille ganz selbst; eine Zuzahlung, von der man befreit werden könnte, entsteht dann gar nicht.
Für alle gesetzlich Versicherten gilt eine Belastungsgrenze von 2 Prozent der jährlichen Bruttoeinnahmen zum Lebensunterhalt des Haushalts, bei chronisch Kranken 1 Prozent (§ 62 SGB V, mit Ausnahmen). Beim Grundsicherungsgeld und bei Sozialhilfe zählt für den ganzen Haushalt nur der Regelbedarf von 563 € im Monat: 2026 liegt die Grenze damit bei 135,12 € im Jahr, bei chronisch Kranken bei 67,56 €. Ist sie erreicht, übernimmt die Kasse für den Rest des Jahres die Zuzahlungen.
Wichtig: Die Befreiung betrifft nur die gesetzliche Zuzahlung (10 Prozent, mindestens 5, höchstens 10 Euro je Sehhilfe, nur ab 18 Jahren). Gestell und Mehrkosten über den Kassenbetrag zahlen Sie selbst. Den Befreiungsantrag stellen Sie bei Ihrer Krankenkasse.
Brille beim Grundsicherungsgeld (SGB II)
Die Reparatur einer Brille zahlt das Jobcenter beim Grundsicherungsgeld (früher Bürgergeld) zusätzlich zum Regelbedarf (§ 24 Abs. 3 Satz 1 Nr. 3 SGB II). Das Bundessozialgericht hat die Brille als therapeutisches Gerät eingeordnet (Urteil vom 25.10.2017, B 14 AS 4/17 R). Voraussetzung: Die Reparatur ist wirtschaftlich, und weder Händler (Gewährleistung) noch Krankenkasse müssen zahlen.
Eine neue Brille gilt nicht als Reparatur. Das gilt auch für neue Gläser wegen geänderter Sehstärke (BSG, Urteil vom 18.07.2019, B 8 SO 13/18 R). Ein gebrochenes Glas in gleicher Stärke zu ersetzen, zählt nach der Begründung des Gerichts dagegen als Reparatur.
Eine neue Brille müssen Sie grundsätzlich aus dem Regelbedarf bezahlen. Reicht das Geld nicht und ist die Brille unabweisbar nötig, gewährt das Jobcenter auf Antrag ein zinsloses Darlehen (§ 24 Abs. 1 SGB II). Es setzt voraus, dass der Bedarf nicht anders gedeckt werden kann, etwa aus vorhandenem Vermögen, und wird monatlich mit 5 Prozent des Regelbedarfs verrechnet, 2026 also mit 28,15 € (§ 42a SGB II). In Ausnahmefällen, wenn ein Darlehen nicht zumutbar ist, kommt ein Zuschuss als Mehrbedarf nach § 21 Abs. 6 SGB II in Betracht; einen sicheren Anspruch darauf gibt es nicht.
Stellen Sie den Antrag beim Jobcenter vor dem Kauf oder dem Reparaturauftrag und legen Sie einen Kostenvoranschlag des Optikers bei. Diese Leistungen müssen gesondert beantragt werden und werden nicht für die Zeit vor dem Antrag erbracht (§ 37 SGB II).
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Ohne Wartezeit, ohne Rezept, bei Antrag bis zum 14. rückwirkend zum 1. des Monats.
Wenn das Sozialamt einspringt
Wer Sozialhilfe oder Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung vom Sozialamt bekommt, ist in der gleichen Lage wie beim Jobcenter: Die Reparatur einer Brille ist ein einmaliger Bedarf, den das Sozialamt zusätzlich zahlt (§ 31 Abs. 1 Nr. 3 SGB XII). Eine neue Brille gibt es auf Antrag als Darlehen (§ 37 Abs. 1 SGB XII), das mit bis zu 5 Prozent der Regelbedarfsstufe 1 monatlich getilgt wird. Nur in besonderen, atypischen Lagen kommt zusätzlich Hilfe in sonstigen Lebenslagen nach § 73 SGB XII in Betracht, als Beihilfe oder Darlehen.
Den vollständigen Überblick, was die gesetzliche Kasse generell zahlt, finden Sie im Hauptratgeber GKV-Brillenzuschuss.