Auf einen Blick
Wann zahlt die gesetzliche Krankenkasse überhaupt?
Erwachsene ab 18 haben Anspruch auf Brillengläser zur besseren Sehschärfe nur in zwei Fällen: bei schwerer Sehbeeinträchtigung (Sehschärfe mit bestmöglicher Brille auf dem besseren Auge höchstens 0,3, also 30 Prozent, oder beidäugiges Gesichtsfeld höchstens 10 Grad) oder bei einer Fehlsichtigkeit über 6 Dioptrien (Kurz- oder Weitsichtigkeit) beziehungsweise über 4 Dioptrien Hornhautverkrümmung. Unabhängig davon gibt es therapeutische Sehhilfen bei bestimmten Augenerkrankungen. Kinder und Jugendliche unter 18 haben Anspruch auf Brillengläser ohne Dioptrien-Mindestwert, wenn eine Sehhilfe medizinisch nötig ist und verordnet wurde.
Das steht so im Gesetz. Paragraf 33 SGB V regelt den Anspruch auf Sehhilfen wörtlich: Versicherte ab 18 erhalten Gläser nur, wenn sie „auf beiden Augen eine schwere Sehbeeinträchtigung mindestens der Stufe 1" haben oder „einen verordneten Fern-Korrekturausgleich für einen Refraktionsfehler von mehr als 6 Dioptrien bei Myopie oder Hyperopie oder mehr als 4 Dioptrien bei Astigmatismus". Die Hilfsmittel-Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses setzt diese Schwelle praktisch bei 6,25 beziehungsweise 4,25 Dioptrien auf mindestens einem Auge an, also der nächsten verordnungsfähigen Glasstufe.
Wer normal kurz- oder weitsichtig ist (zum Beispiel mit minus 2 Dioptrien), bekommt als Erwachsener von der gesetzlichen Kasse also nichts für die Brille. Diese Lücke ist seit der Streichung des allgemeinen Brillenzuschusses 2004 bewusst so angelegt.
Wie viel zahlt die Kasse, und gibt es noch einen Festbetrag?
Die Kasse übernimmt nur die Gläser, nicht das Gestell. Bundesweite Festbeträge gibt es seit dem 01.03.2025 nicht mehr; heute gelten die Vertragspreise Ihrer Kasse. Zur Orientierung: Die früheren Festbeträge (netto) lagen bei rund 16 Euro für einfache Einstärkengläser bis rund 160 Euro pro Glas bei hochbrechenden Mehrstärkengläsern für sehr hohe Stärken. Davon geht noch die gesetzliche Zuzahlung ab: 10 Prozent, mindestens 5 und höchstens 10 Euro je abgegebenem Hilfsmittel, nie mehr als dessen Kosten.
Wichtig und neu: Bundesweite GKV-Festbeträge für Sehhilfen gibt es seit dem 1. März 2025 nicht mehr. Der GKV-Spitzenverband hat seinen Festbetragsbeschluss aufgehoben. Seitdem zahlt jede Kasse die Preise aus ihren Verträgen mit den Optikern. Nach Angaben des Zentralverbands der Augenoptiker orientieren sich fast alle Verträge an den früheren Festbeträgen; im Einzelfall kann Ihre Kasse abweichen. Die oft genannte Spanne „10 bis 25 Euro pro Glas" stammt aus der Zeit vor Oktober 2021 und ist veraltet.
| Glastyp | Frühere Festbeträge je Glas (netto) |
|---|---|
| Einstärkenglas, einfache Stärke | ab ca. 16 € |
| Einstärkenglas, hohe Stärke (über 6 dpt) | ca. 29 bis 88 € |
| Mehrstärkenglas (Bi-/Trifokal, Gleitsicht) | ca. 81 bis 160 € |
| Brillengestell | 0 € (immer selbst) |
Frühere Festbeträge, netto, gerundet, je Einzelglas (Festbetragsliste ab 1. Oktober 2021, gültig bis Februar 2025). Bundesweite Festbeträge gibt es seit dem 01.03.2025 nicht mehr; heute gelten die Vertragspreise Ihrer Kasse, die davon abweichen können. Entspiegelung, dünnere Hochbrechung über das Notwendige hinaus, Tönung als Komfort und Mehrkosten für Premium-Gleitsichtgläser über den Vertragspreis hinaus sind keine Kassenleistung und kosten extra. Kinder unter 18 zahlen keine Zuzahlung.
80 % bis 400 € für Ihre nächste Brille
Ohne Wartezeit, ohne Rezept, bei Antrag bis zum 14. rückwirkend zum 1. des Monats.
Die Kasse zahlt wenig oder nichts, das Gestell nie.
Mit dem Zusatztarif: 80 % bis 400 € in zwei Kalenderjahren für Ihre Brille
rocket_launch Jetzt absichernWann zahlt die Kasse eine neue Brille?
Es gibt keine feste Frist wie „alle zwei Jahre". Ab dem 14. Geburtstag übernimmt die Kasse neue Gläser nur, wenn sich die Sehstärke um mindestens 0,5 Dioptrien geändert hat. Bei Kindern unter 14 gilt diese Schwelle nicht, sie bekommen bei medizinischem Bedarf neue Gläser, weil sich Kinderaugen schnell verändern.
Voraussetzung bleibt immer, dass überhaupt ein Anspruch besteht, also Kind oder Jugendlicher unter 18 mit medizinischem Bedarf, die genannten Dioptrien- und Sehschärfewerte bei Erwachsenen oder eine therapeutische Sehhilfe. Bei Bruch oder Verlust gilt: Wer diesen Anspruch hat, bekommt neue Gläser auch ohne Stärkenänderung (Ersatzbeschaffung, § 33 Abs. 1 Satz 5 SGB V, Hilfsmittel-Richtlinie § 12 Abs. 4). Ein neues Gestell zahlt die Kasse nie. Die meisten Erwachsenen haben keinen Anspruch und bekommen deshalb auch keinen Ersatz. Hier hilft eine private Sehhilfen-Versicherung: Der Tarif VorsorgePRIVAT zahlt für Brillen, Kontaktlinsen und Reparaturen 80 Prozent, höchstens 400 Euro in zwei Kalenderjahren.
Wie beantrage ich den Zuschuss, brauche ich den Augenarzt?
Die erste Verordnung einer Sehhilfe muss eine Augenärztin oder ein Augenarzt ausstellen (Formular Muster 8 oder 8a). Seit 2017 kann bei Folgebrillen in der Regel der Optiker die Stärke bestimmen. Ausnahmen: Kinder unter 14 und Menschen mit schwerer Sehbehinderung brauchen weiterhin eine augenärztliche Verordnung. Die Verordnung lösen Sie innerhalb von 28 Tagen beim Optiker ein.
Der Optiker rechnet die Gläser bis zum vereinbarten Vertragspreis direkt mit Ihrer Kasse ab. Sie zahlen das Gestell, alle Glas-Extras über die Grundversorgung hinaus und die gesetzliche Zuzahlung. Einen gesonderten Antrag bei der Kasse müssen Sie für die Standardgläser meist nicht stellen, das übernimmt der Optiker. Bei Sonderfällen wie vergrößernden Sehhilfen ist häufig eine vorherige Genehmigung der Kasse nötig.
Zahlt meine Kasse mehr als andere?
Der gesetzliche Anspruch ist bei allen Kassen gleich; die Erstattungsbeträge ergeben sich aus den Verträgen der jeweiligen Kasse und können leicht abweichen. Darüber hinaus zahlen einzelne Kassen freiwillige Zuschüsse, fast immer über ihr Bonusprogramm und nur bei aktiver Teilnahme. Die Barmer zahlt zum Beispiel über die Top-Geldprämie ihres Bonusprogramms bis zu 200 Euro im Jahr (bei 1.000 gesammelten Punkten), auch für Sehhilfen.
Diese Mehrleistungen sind kassenindividuell, bei der AOK zusätzlich regional unterschiedlich, und sie ändern sich mit jeder Satzungsänderung. Verlassen Sie sich nicht auf Pauschalaussagen aus Vergleichsportalen, sondern prüfen Sie die aktuell gültigen Bonusbedingungen direkt bei Ihrer Kasse.
Wichtig: Angebote wie „PlusSehen" sind keine Kassenleistung, sondern private Zusatzversicherungen, die über die Kasse vermittelt werden, zum Beispiel PlusSehen der HanseMerkur für DAK-Versicherte. Einen Teil der Lücke kann auch ein eigenständiger Brillentarif schließen.
Brille bei Grundsicherungsgeld (früher Bürgergeld) oder geringem Einkommen
Bei geringem Einkommen können Sie sich von der gesetzlichen Zuzahlung befreien lassen, sobald Ihre Zuzahlungen 2 Prozent der jährlichen Bruttoeinnahmen erreichen (bei chronisch Kranken 1 Prozent). Das betrifft die 5 bis 10 Euro Zuzahlung, nicht die Mehrkosten über den Vertragspreis hinaus.
Beim Grundsicherungsgeld (früher Bürgergeld) gilt: Die Reparatur einer Brille ist als Sonderbedarf abgedeckt (bestätigt durch das Bundessozialgericht, Az. B 14 AS 4/17 R). Eine komplette Neuanschaffung gilt dagegen nicht als Reparatur und kann im Einzelfall als Darlehen übernommen werden. Das Sozialamt kann über Paragraf 73 SGB XII (Hilfe in sonstigen Lebenslagen) helfen, ein pauschaler Anspruch besteht aber nicht, die Gerichte entscheiden uneinheitlich.
Kann ich die Brille von der Steuer absetzen?
Eine medizinisch notwendige Brille zählt als Krankheitskosten und damit als außergewöhnliche Belastung nach Paragraf 33 EStG. Absetzbar wird sie aber erst, wenn Ihre gesamten Krankheitskosten im Jahr die zumutbare Eigenbelastung übersteigen. Die liegt je nach Einkommen und Kinderzahl zwischen 1 und 7 Prozent des Gesamtbetrags der Einkünfte. Als Nachweis brauchen Sie eine ärztliche Verordnung (§ 64 Abs. 1 Nr. 1 EStDV); der Sehtest beim Optiker genügt nur in Folgejahren, wenn die Notwendigkeit früher augenärztlich festgestellt wurde (R 33.4 Abs. 1 EStR).
In der Praxis wirkt sich eine einzelne Brille deshalb selten aus. Steuerlich relevant wird sie meist nur zusammen mit anderen Krankheitskosten desselben Jahres, etwa Zahnersatz oder Zuzahlungen. Der Bundesfinanzhof hat zudem entschieden, dass die zumutbare Belastung stufenweise zu berechnen ist (Az. VI R 75/14), was den abziehbaren Betrag leicht erhöht.
Anders die reine Bildschirmarbeitsplatzbrille: Ergibt die arbeitsmedizinische Vorsorge, dass eine spezielle Bildschirmbrille nötig ist und eine normale Brille nicht genügt, muss der Arbeitgeber sie nach der Arbeitsmedizin-Verordnung stellen. Die Übernahme der angemessenen Kosten ist dann kein steuerpflichtiger Arbeitslohn (R 19.3 Abs. 2 Nr. 2 LStR). Eine normale Alltagsbrille fällt nicht darunter.
Augenerkrankung, Makuladegeneration und Kontaktlinsen
Eine normale Korrekturbrille gleicht eine Makuladegeneration nicht aus. Bei Augenerkrankungen oder schwerer Sehbehinderung können aber therapeutische und vergrößernde Sehhilfen wie Lupenbrillen oder elektronische Lesegeräte als Hilfsmittel verordnet werden. Was die Kasse übernimmt, hängt von der augenärztlichen Diagnose ab.
Voll übernimmt die Kasse Kontaktlinsen nur bei einer medizinischen Indikation, etwa bei Kurz- oder Weitsichtigkeit ab 8 Dioptrien, Keratokonus, fehlender Augenlinse nach einer Operation oder einem starken Stärkenunterschied zwischen beiden Augen. Erwachsene brauchen dafür zusätzlich einen Anspruch auf Sehhilfen. Ohne medizinische Indikation gilt: Wer Anspruch auf Brillengläser hat (Kinder und Jugendliche unter 18, Erwachsene ab 6,25 Dioptrien Kurz- oder Weitsichtigkeit oder ab 4,25 Dioptrien Hornhautverkrümmung, Erwachsene mit schwerer Sehbeeinträchtigung mindestens Stufe 1) und trotzdem Linsen wählt, bekommt einen Zuschuss bis zu dem Betrag, den die Brillengläser gekostet hätten (§ 33 Abs. 3 Satz 3 SGB V). Wer keinen Anspruch auf Brillengläser hat, also die meisten Erwachsenen, bekommt auch für Linsen nichts. Tageslinsen, multifokale und farbige Linsen sowie Pflegemittel sind ausgeschlossen.
Was bleibt unterm Strich, und was hilft wirklich?
In der Regel zahlt die gesetzliche Kasse Erwachsenen für eine normale Brille nichts. Selbst wer Anspruch hat, bekommt oft nur einen Teil der tatsächlichen Glaskosten ersetzt, das Gestell und alle Komfort-Extras nie. Eine gute Gleitsichtbrille kann 500 Euro und mehr kosten, von denen die Kasse im besten Fall einen niedrigen dreistelligen Betrag für die Gläser übernimmt.
Einen Teil dieser Lücke kann eine private Sehhilfen-Versicherung schließen. Zur Kassenleistung dazu zahlt der Tarif VorsorgePRIVAT 80 Prozent der Kosten, höchstens 400 Euro in zwei Kalenderjahren, ohne Wartezeit. Eine Ablehnung wegen Gesundheitsfragen gibt es nicht; versichern können sich gesetzlich Krankenversicherte, die beim selben Versicherer keine andere Zusatzversicherung mit diesen Leistungen haben.